Blitzeinsatz in der Portraitfotografie

Seit einiger Zeit lege ich meinen fotografischen Schwerpunkt auf die Menschenfotografie und versuche mit diesem Blogpost einmal zu strukturieren wie ich versuche vorzugehen – es ist mir noch nie gelungen alles zu 100% umzusetzen, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf dass mir das irgendwann gelingen wird ;-)

Grundlegende Überlegungen

Bildidee

Portraitshooting Bsp. 3
Portraitshooting Bsp. 3

Vor jedem Shooting sollte man sich Gedanken über die Bildidee bzw. Bildaussage machen. Einfach drauf los knipsen bringt in den aller meisten Fällen nicht das erhoffte Ergebnis – also ein Porträt reicht als Bildidee im Normalfall nicht aus. Je konkreter desto besser. Ignoriert man die Bildidee, dann sollte man sich nicht wundern wenn man am Ende komplett andere Bilder hat als man eigentlich wollte.

Ohne Bildidee wird das Shooting oft sogar chaotisch – ich rede aus eigener Erfahrung!
Natürlich ist es nicht unmöglich so tolle Fotos zu erstellen, aber das ist dann eher zufällig, oder der Verdienst des Models ;-)
Als Fotograf sollte ich doch aber den Anspruch haben ein gutes Bild in Zusammenarbeit mit meinem Gegenüber herbeizuführen, oder!?
Es ist nichts dagegen zu sagen bei einem Shooting mehrere Bildideen umzusetzen, aber dann eins nach dem anderen.

Oft hilft es schon sich ein paar Eckpunkte als Stichworte für ein Bild zurecht zu legen.

  • Art des Bildes (Porträt, Akt, Beauty, etc.)
  • Stimmung
  • Ausschnitt
  • Perspektive
  • Close-Up, Oberkörper, Ganzkörper
  • Verschmitzt, Sexy, Nachdenklich,Verträumt
  • Abgewendeter Blick, Blick nach oben o. unten, Blick in die Kamera…
  • Lichtsetup – hat zwar eigentlich nichts mit der Bildidee zu tun, beeinflusst das Bild aber ganz erheblich
  • etc.

Nun versucht euch mal in 2 Situationen aus der Sicht eines Models zu versetzen:

  1. Der Fotograf ändert bei fast jedem Foto die komplette Bildaussage. Er geht nah ran, dann weit weg, Fotografiert mal von oben, mal von unten, mal auf Augenhöhe, er gibt die Anweisung lächeln, schau mal verschmitzt, jetzt verträumt…
  2. Der Fotograf macht nur kleine Korrekturen wie Kinn etwas nach unten, Kopf gerade, Mund schliessen, Augen öffnen …

In welcher Situation wird sich das Modell wahrscheinlich wohler fühlen?

Damit möchte ich nicht behaupten dass man in jedem Fall so zum besseren Bild kommt, es ist aber Zielgerichteter und man hinterlässt einen professionelleren Eindruck.

Welchen Look soll das Bild haben

Portraitshooting Bsp. 2
Portraitshooting Bsp. 2

Wenn man sich nun seine Bildidee zurechtgelegt und man seine Lichtquelle(n) positioniert hat sollte man sich noch über den “Look” des Fotos Gedanken machen. ZB. würde eine dunkle Ausleuchtung ganz gut zu einem eher melancholischen Portrait passen o. eine leichte Überbelichtung zu einem frechen Kinderporträt. Hier könnte man unzählige Beispiele anbringen, mir ist nur wichtig dass man diesen Aspekt nicht vergisst.

+++ Vorher überlegen wie 
das Bild aussehen soll +++

Wo soll der Betrachter stehen – Distanz zum Modell

An der Stelle wo man sich als Fotograf positioniert stellt man quasi den Betrachter des Bildes. Soll das Bild eher Intimität ausdrücken so sollte man auch die Nähe des Modells suchen, bei einem distanzierten Bild wird der Fotograf auf Distanz gehen müssen. Durch verändern der Brennweite kann man wohl den Bildausschnitt steuern, aber die Nähe bzw. die Distanz zum Modell kann man durch zoomen nicht verändern.

LICHT

Wo sollen die Schatten sein und wie sollen sie aussehen

Viele machen sich Gedanken wie man nun das Licht setzen soll und werden erschlagen von der Komplexität des daraus resultierenden Setups. Hier ein kleiner Tipp den ich von einem Workshop bei Martin Krolop mitgenommen habe:

Überlegt euch wo die Schatten sein sollen und wie die Schattenverläufe aussehen sollen!

Wenn man weiss wo die Schatten sein sollen, dann wird man daraus ableiten können wo die Lichtquellen platziert werden müssen.
Die Schattenverläufe lassen sich durch die Größe und Charakteristik der Lichtformer beeinflussen.
Klar muss man hier viel Erfahrungen sammeln und mit jeder Lichtquelle steigt die Komplexität, aber hier geht es mir um die Herangehensweise.
Hier möchte ich darauf hinweisen, dass man mit einer Lichtquelle unglaubliche tolle Bilder machen kann. Die in diesem Blogpost veröffentlichten Fotos sind alle mit nur einer Lichtquelle gemacht.

Licht wirkt additiv!

Was meine ich wohl mit dieser Aussage?
Wenn man in einer Situation mit dem vorhandenem Licht die Kamera so einstellt, dass das Modell komplett ausgeleuchtet ist, dann wird der Einsatz von Blitzen nur zu einer Überbelichtung führen. Also sollte man sich entscheiden ob man mit vorhandenem Licht (oft available light genannt), einem Mix aus vorhandenem und Blitzlicht oder ausschliesslich mit Blitzlicht arbeiten will.
Jede Variante hat Vor- und Nachteile:

1. Available Light
Das ist zwar nicht die Motivation des Posts, aber ich möchte es trotzdem nicht komplett unter den Tisch fallen lassen.
Da die Sonne, relativ zum Abstand der Lichtquelle eine sehr kleine Lichtquelle darstellt , werden also die Schattenverrläufe sehr hart sein. Auch die Richtung der Lichtquelle lässt sich nur in soweit beeinflussen in dem man sich bzw. das Model bewegt.
Ein Weg um das Licht besser kontrollieren zu können ist das Model in den Schatten zu stellen und mit Reflektoren das Licht auf das Model zu “werfen”.

2. Mix aus Available Light und Blitzen (Aufhellen)
Man benutzt hier das vorhandene Licht und gibt eben noch zusätzlich Blitzlicht additiv hinzu. Hier muss man immer auf die Ausbalancierung achten, denn im Normalfall hellt man das Model auf und der Hintergrund bleibt wie er ist – natürlich könnte man mit mehreren Blitzen auch den Hintergrund aufhellen, aber das kann beliebig aufwendig werden.
Meine Vorgehensweise an der Stelle ist, dass ich als erstes meine Kameraeinstellungen ausschließlich für den Hintergrund suche und dann das fehlende Licht mit dem Blitz hinzufüge, also über die Blitzleistung einstelle.

3. Ausschließlich Blitzlicht
Hier habe ich die volle Kontrolle und kann das Licht so setzen wie ich es möchte. Wenn der Hintergrund mit einbezogen werden soll muss ich auch das Licht im Hintergrund setzen. Denn die Lichtleistung relativ zur Distanz mit dem Quadrat ab. Also wen die Lichtquelle 2m vom Modell entfernt aufgebaut ist dann kommt 4m hinter dem Modell nur noch 1/4 der Lichtleistung an – also eine Unterbelichtung von ganzen 2 Blenden.

Wie stelle ich nun meine Kamera ein?

Im Fall von Available Light kann am ganz normal mit Automatikfunktionen wie z.B. Der Zeitautomatik o. Blendenvorwahl fotografieren.

Portraitshooting Bsp. 1
Portraitshooting Bsp. 1

Sobald man das Licht kontrolliert setzen will, wird man bald den Blitz von der Kamera entfernen wollen.
Und wie steuert man nun den Blitz?
Ganz einfach – Manuell ;-)
Man muss den Blitz also nur noch auslösen und das macht man am bersten mit einem Kabel oder mit sog. Funkauslösern. Ich arbeite am liebsten mit Funkauslösern, da mich die Kabel an der Kamera stören – aber Kabel funktionieren im Zweifel sogar noch zuverlässiger und sind sogar noch günstiger im Preis. Allerdings sind Funkauslöser flexibler, da die Bewegungsfreiheit nicht durch die Kabellänge eingeschränkt wird. Doch unendlich weit reichen die Funkauslöser auch nicht, meine funktionieren in einer Distanz von etwa 80m noch zuverlässig aber das muss man einfach mal ausprobieren, den Herstellerangaben sollte man nicht bis zum letzten Meter vertrauen.

Auch für entfesselte Blitze gibt es Automatikfunktionen, die aber sehr teuer oder sehr unzuverlässig sind – falls mich jemand vom Gegenteil überzeugen will nur zu – ich kenne leider keine.
Einzige praktikable Ausnahme ist für mich die Übertragung der Automatikfunktionen mit einem TTL-Kabel. Die Einschränkung ist die Kabellänge und man kann nur einen Blitz ansteuern.

Also arbeite ich im manuellen Modus. Das hört sich kompliziert an, ist es aber nicht!!!
Zu erst muss man irgendwie den Zündimpluls an die Blitze übertragen, wie schon erwähnt benutze ich Funkauslöser, die ich hier im Blog beschrieben hatte.

Nun also zum Einstellen – da wir also keine TTL-Automatik-Hokuspokus-Funktionen zu Verfügung haben, können wir max. mit der sog. Synchronzeit der Kamera belichten. Allerdings schaffen das einige Funkauslöser nicht, so dass man unter Umständen nicht kürzer als 1/160 Sek. belichten kann. Das muss man einfach ausprobieren. Wenn man am unteren Rand eine deutliche Abschattung oder sogar einen schwarzen Balken erkennt dann muss man die Verschlusszeit eben verlängern, mit meinem Equipment funktioniert 1/160 Sek. Perfekt, bei 1/200 Sek. bekomme ich bei ungefähr jedem 40. bis 50. Bild eine sichtbare Abschattung am unteren Rand.

Nun kommt es darauf an ob man ausschließlich mit Blitzlicht abreiten oder das vorhandene Licht mit einbeziehen möchte.

Will ich das Umgebungslicht miteinbeziehen gehe ich wie folgt vor:
Da die Blende wesentlich die Bildgestaltung beeinflusst wähle ich zuerst die Blende. Will ich also den Hintergrund frei stellen und möglichst viel Umgebungslicht einbeziehen, dann arbeite ich mit einer sehr grossen Blende – also einem kleinen Blendwert. Möchte ich auch den Hintergrund scharf abgebildet bekommen, dann muss ich die Blende schliessen – also grosser Blendwert, das hat aber meist zur Folge, dass oft der ISO Wert erhöht werden muss da das Bild sonst zu dunkel wird, was mehr Bildrauschen zur Folge hat – zwar kommen die aktuellen DSLRs recht gut mit hohen ISO-Werten zurecht, aber man sollte das im Hinterkopf behalten.

Wenn ich ausschliesslich mit Blitzlicht arbeiten will, dann stelle ich eine Blende, Zeit und ISO Kombination ein, die mir das vorhandene Licht komplett aussperrt – naja, zumindest fast.

In jedem Fall mache ich ein Testfoto bevor es los geht um zu sehen wie viel vorhandenes Licht auf das Foto einwirkt – Auch wenn das Bild fast komplett schwarz ist, dann weiss ich dass das vorhandene Licht ausgesperrt ist!

Blitzleistung

Nun wird die Blitzleistung eingestellt – hier ist einfach etwas Fingerspitzengefühl gefragt. Meistens stelle ich mal auf verdacht eine Blitzleistung in der Region von 1/8 der max. Blitzleistung ein und mache ein Testfoto, auf dem Display beurteile ich dann das Foto und schätze die Korrektur ab. Das hört sich recht mühselig an, doch mit etwas Übung hat man meist mit dem 3.-4. Foto die passende Blitzleistung gefunden. Natürlich könnte man auch mit einem Blitzbelichtungsmesser die korrekte Einstellung einstellen, jedoch ist korrekt auch oft langweilig – das mögen andere Fotografen zwar änderst sehen, aber so ist nun mal meine Vorgehensweise.

Ich empfehle übrigens nicht mit voller Blitzleistung zu arbeiten, lieber gehe ich mit den ISO-Werten etwas höher. Denn das machen Kompaktblitze nicht lange mit und verabschieden sich im schlimmsten Fall mit Rauchzeichen o. legen eine Pause ein wenn sie zu heiß werden. In beiden Fällen sind sie nicht benutzbar…

So, das war es – jetzt kann fotografiert werden…

3 Gedanken zu „Blitzeinsatz in der Portraitfotografie“

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